Der Begriff Ausleitungsverfahren bezeichnet die Behandlungsmethoden der so genannten „Humoralmedizin“ (lat. humor = Flüssigkeit, Feuchtigkeit). Die Humoralmedizin beschreibt ein seit der Antike bis in das 19. Jahrhundert vorherrschendes medizinisches Erklärungsmodell, in welchem die Krankheitsursachen mit einer fehlerhaften Zusammensetzung der Körpersäfte (Blut, gelbe und schwarze Galle und Schleim - Viersäftelehre) sowie mit einer Anhäufung von Schadstoffen in Zusammenhang gebracht werden. Durch das Ausleiten dieser Stoffe wird das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit verbessert.
Diese fehlerhafte Beschaffenheit der Säfte wird Dyskrasie genannt. Sie ist verantwortlich für viele chronisch - degenerative Erkrankungen, zu denen Stoffwechselleiden, rheumatische Erkrankungen und auch Krebs gehören. Die Körpersäfte müssen ausgeglichen und die Schadstoffe zur Ausleitung gebracht werden. Aus heutiger naturheilkundlicher Sicht bewirken Ausleitungsverfahren die Verstärkung von Ausscheidung – und Entgiftungsvorgängen, eine Entlastung des Stoffwechsels, die Reinigung von Blut und Lymphe sowie eine Linderung von Schmerzen.
Typische Ausleitungsverfahren sind:
Wirkung der Ausleitungsverfahren:
Unter Konstitution versteht Aschner einen durch äußere Merkmale gekennzeichneten Typus mit Neigung zu bestimmten Erkrankungen und Reaktionsweisen. Die Konstitutionstherapie beschreibt eben solche Heilmethoden, die Krankheiten zunächst nicht direkt und symptomorientiert angehen, sondern eine allgemeine Umstimmung, eine Anregung der Stoffwechselvorgänge und eine Entgiftung bewirken. Dieses ist im Sinne einer Allgemeinbehandlung zu sehen, nicht als Behandlung von Teilfunktionen der Organe.
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Im Folgenden werden zwei Ausleitungsverfahren beschrieben, da ihnen kein gesonderter Artikel zugedacht ist!
Das Baunscheidt-Verfahren
Hierunter versteht man die Reizung eines Hautbezirks mit Hilfe eines Stichlers (Baunscheidt Apparat: von Carl Baunscheidt (1809-1873) entwickelt) und einer dann in die Stichporen eingeriebenen Flüssigkeit (Öl mit den Hauptbestandteilen Croton-, Wacholder- oder Senföl) oder einer Salbe. Dadurch wird in diesem Areal ein mehr oder weniger starker Ausschlag mit Bläschenbildung erzeugt.
Mit dieser Methode werden verschiedene Wirkungen erzielt:
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Die Cantharidenpflaster Behandlung (spanische Flieges)
Dieses Verfahren gilt als die „weiße Schwesters“ des Schröpfens. Das auf ein bestimmtes Hautareal aufgetragene, mit dem Extrakt eines giftigen Käfers getränkte Pflaster erzeugt innerhalb von 24 Stunden eine gewölbte Blase, deren Inhalt Lymphflüssigkeit ist.
Die therapeutische Wirkung liegt in einer Einflussnahme auf das Lymphsystem im Sinne einer Anregung des Lymphflusses sowie einer Aktivierung des Immunsystems.
Die Anwendung erfolgt bei schmerzhaften Entzündungen, insbesondere der großen Gelenke und des Rückens, sowie bei schmerzenden Narben.
Die Anwendung von Ausleitungsverfahren sollte immer unter Aufsicht erfolgen, da sie in manchen Fällen auch Nebenwirkungen haben kann. Die Wirkung solcher Verfahren wird oft unterschiedlich bewertet. Sie findet in der Naturheilkunde eine breite Anwendung, besonders bei chronischen Beschwerden, die mit einer schlechten Entgiftung des Körpers in Verbindung gebracht werden.