Grundprinzipien der Eigenblut Therapie
Hinter den Verfahren der Regulationstherapie (zu denen auch die Homöopathie, die Akupunktur und die Neuraltherapie gehören) steckt folgendes Prinzip: Ein Reiz wird gesetzt, auf den der kranke Organismus mit der Aktivierung seiner Selbstheilungskräfte reagiert - also wie eine ›Hilfe zur Selbsthilfe. Voraussetzung für dieses Heilungsprinzip ist, dass der Körper noch zu einer Antwort auf den Reiz fähig ist.
Das Prinzip der Eigenbluttherapie, körpereigenes Blut durch Fremdkörperreiz als Injektion wieder in den Organismus zu bringen und damit die Selbstheilungs- und Abwehrkräfte anzuregen, ist nicht neu.
Schon Goethes Mephisto gesteht: »Blut ist ein besonderer Saft«. Er schließt damit seinen magischen Pakt mit Faust und sichert sich dessen Seele. Doch nicht nur in der Literatur, sondern auch im Verständnis der meisten Menschen gilt: Blut ist viel mehr als nur Träger biologischer Daten und Werte. Somit braucht es auch nicht zu verwundern, dass Menschen zu allen Zeiten diesem besonderen Lebenselixier außergewöhnliche Heilkräfte beimaßen.
Schon im alten China wurden durch Kneifmassagen oder durch kleine Nadelstichelungen Blutergüsse erzeugt, um bei akuten fieberhaften Infekten, chronischen Entzündungen und Hautkrankheiten eine Heilwirkung anzufachen.
In Europa gab es erst Ende des 19. Jahrhunderts erste Versuche mit dieser Heilmethode. Bekannt wurde die Eigenblutbehandlung in Deutschland schließlich durch den Berliner Chirurgen August Bier (1861-1949). Er entdeckte, dass ein Knochenbruch schneller heilt, wenn an der Bruchstelle ein Bluterguss zurückbleibt. Dieser löst eine natürliche Entzündungsreaktion aus und führt zur schnelleren Heilung.
In den folgenden Jahrzehnten bestätigten diverse wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich Eigenblutinjektionen positiv auf das Immunsystem auswirken und einen Anstieg von Immunzellen auslösen. Das injizierte Blut wird vom Organismus wie eine erneute Entzündung behandelt und mit einer Stimulierung der Körperabwehr beantwortet. So kann etwa ein chronischer Krankheitsprozess wieder in einen akuten Zustand gebracht und dann geheilt werden. Eine häufig angewandte Methode ist die subkutane Injektion, bei der das entnommene Blut in kleiner Menge unter die Haut injiziert wird. In anderen Fällen wird das Blut aufbereitet, beispielsweise durch Homöopathisierung oder eine Veredelung durch Sauerstoffanreicherung, bevor es dem Patienten wieder zugeführt wird.
Die Eigenbluttherapie wird vor allem bei chronischen Erkrankungen, wie Allergien, Infektionen oder auch bei bestimmten Hautproblemen angewendet. Sie wird auch als Unterstützung bei der Regeneration nach Operationen oder bei der Behandlung von Schwächen des Immunsystems genutzt.
Die Palette der Krankheiten und Beschwerden, bei denen die Eigenbluttherapie eingesetzt werden kann, ist groß. Sie reicht von akuten und chronischen Entzündungen, Infektanfälligkeit, Abwehrschwäche und reduziertem Allgemeinzustand, Allergien und Hauterkrankungen, Appetitlosigkeit, nicht ausgeheilten Erkrankungen mit der Neigung zu Chronifizierung, chronischen Schmerzzuständen, Wechseljahresbeschwerden bis zu Schlafstörungen.
Erste Wirkung bei der Eigenblutbehandlung ist ein günstiger Einfluss auf das Allgemeinbefinden, wie Antriebssteigerung, Vitalisierung, Schlafverbesserung, Zunahme der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit, Gemütsaufhellung. Diese Verbesserung der Befindlichkeit zeigt, dass die Eigenbluttherapie im Sinne einer immunmodulativen Reizkörpertherapie wirkt – sie „facht wie ein Zündkerzeneffekt den Lebensmotor an“.
Varianten der Eigenbluttherapie
Es gibt verschiedene Formen der heute vor allem von ganzheitlich orientierten Therapeuten und Ärzten angewandten Methode.
Bei der klassischen Eigenblutbehandlung wird aus der Vene eine bestimmte Menge Blut entnommen und anschließend unverändert und ohne zeitliches Intervall reinfiziert. Gelegentlich wird vor der Reinfektion ein homöopathisches oder phytotherapeutisches (auf pflanzlicher Basis hergestelltes) Medikament mit dem Eigenblut vermischt.
Eine besonders bei Kindern in Tropfenform verabreichte Anwendung ist das Eigenblut als potenzierte Nosode. Das Blut kann darüber hinaus durch eine UV-Bestrahlung aktiviert und anschließend oxygenisiert werden: Dies wird als Hämatogene Oxidations - Therapier bezeichnet.
Oder es wird ein Gemisch aus Sauerstoff und Ozon zugesetzt: die sog. (→) Ozon-Sauerstoff - Therapie. Erwähnt werden sollen auch die Gegensensibilisierung mit potenziertem Eigenblut nach Theurer und die spagyrische Eigenblutbehandlung nach Heinz.
Warnungen und Gegenanzeigen
Bei der Eigenbluttherapie können Erstverschlimmerungen der Symptome sowie eine Reaktivierung der Krankheitsherde auftreten. Nicht angewandt werden darf dieses Therapieverfahren bei Gerinnungsstörungen des Blutes und der Einnahme von Medikamenten, die auf eine Unterdrückung des Immunsystems hinwirken.