Schamanismus

Schamanismus


Schamanismus ist das älteste Heilsystem der Welt. 
Schamanismus ist fast so alt wie die Menschheitsgeschichte. Archäologische und ethnologische Untersuchungen belegen, dass es Schamanen in fast allen ursprünglichen Kulturen gegeben hat und dass es sie noch heute bei so genannten indigenen (eingeborenen) Völkern gibt. Der Schamane als Heiler ist der Mittler zwischen den Menschen seines Stammes bzw. seines Volkes und der Welt der Geister. Als Mittler oder Bote zwischen zwei Welten ist er aber nicht nur Heiler, er ist auch Priester, Wahrsager und Seelenführer. Schamanismus ist aber keine Religion, sondern ein Phänomen, das sich trotz aller beschriebenen Gemeinsamkeiten von Stamm zu Stamm, von Volk zu Volk unterscheidet.  

Schamane

Gemeinsam ist allen Schamanen die Mittlerfunktion zwischen der von uns so genannten realen Welt und der Welt des Geistes. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie sich nicht um diese Position bewerben. Die Welt der Geister sucht sie aus, ruft sie und lässt sie durch eine Prüfung gehen. Meist ist dies eine schwere Krankheit, die der berufene Schamane nur überlebt, wenn er vor den Geistern einwilligt, das Amt des Schamanen zu übernehmen. In den die Krankheit begleitenden Fantasien und Fieberträumen lernt er seine Hilfsgeister kennen und wird eingeführt in jene magische Welt, die den anderen Mitgliedern seines Stammes verschlossen bleibt. Eine gängige Auslegung des Begriffs Schamane lautet denn auch: Einer, der Wissen besitzt. Da Schamanen meist nur in Kulturen vorkommen, die keine Schriftsprache besitzen, ist ihr Wissen also auch nicht niedergelegt. Es wird von jedem Schamanen individuell erfahren in seiner Vision, die ihn zum Schamanen beruft. 


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Alles ist beseelt 
Im magischen Weltbild, in dem der Schamanismus wurzelt, ist alles um uns herum belebt. Jedes Tier, jede Pflanze, jeder Stein hat seine Seele. Um mit diesen in Kontakt treten zu können, bedarf es der Einweihung. Durch seine Hilfsgeister, die eben auch Pflanzen oder Tiergeister sein können, wie auch die Gaben von verstorbenen Vorfahren, lernt der Schamane das, was er wissen muss. Aber er ist nicht der große Meister, sondern als Mittler ist er Diener beider Seiten. Die Hilfsgeister sind ihm nicht immer zu Diensten, sie sind launisch, wollen oft gebeten werden. Das magische Weltbild strebt nach Harmonie. Die Aufgabe des Schamanen ist es, die Welt im Lot zu halten. Oft steht in seiner Hütte, in seinem Zelt, in seiner Behausung der Weltenbaum, der unten in der Unterwelt, der Welt der Toten wurzelt und oben bis in den Himmel ragt, wo er am Polarstern aufgehängt ist. Zwischen diesen beiden Welten befindet sich die Welt der Menschen, der von beiden Seiten Ungemach droht. Der Schamane im Alltag ein normales Mitglied seines Stammes lebt als Jäger, Fischer oder auch als Bauer unter seinesgleichen. Nur zu besonderen Anlässen wird er zum Schamanen, nämlich immer dann, wenn die Welt aus dem Lot zu geraten droht oder wenn dies schon geschehen ist. Seine Aufgabe ist es dann herauszufinden, was geschehen ist, was die Harmonie stört und was getan werden muss, um sie wiederherzustellen. 

 
Das große Wagnis des Schamanen die Reise zu den Geistern 

Um dies zu erfahren, muss er sich auf die Seelenreise begeben, er muss als Geist zu den Geistern reisen, um sie zu befragen, um mit ihnen zu verhandeln, oft auch mit ihnen kämpfen. Je nach Kultur und Anlass bedient er sich dabei verschiedener Hilfsmittel. Mit Hilfe von Musik und Trommelstücken, oft aber auch durch Einnahme psychogener Drogen, durch ekstatische Tänze, durch Hyperventilation, Schlafentzug oder andere Trancetechniken bereitet er seine Seele darauf vor, seinen Körper zu verlassen und in die Welt der Geister zu reisen. Die Stammeskulturen, in denen Schamanen existieren, haben alle einen starken Bezug zur Natur. Die Beobachtung der Gestirne, das Wissen um Kräuter und um die Kräfte der Tiere bestimmen das magische Weltbild. Auf seiner Reise stattet sich der Schamane deshalb gerne mit all diesen Symbolen aus, damit er nicht ungeschützt die gefährliche Reise zu den Geistern antreten muss.


So finden wir häufig Darstellungen, die den Schamanen in Tiergestalt zeigen, oft mit Vogelkleid oder Tiermaske, sehr häufig auch mit Hirschgeweih. Manchmal tritt er die Reise an, indem er sich zurückzieht, etwa in den Wald, in die Wüste etwa bei den Indianern Nordamerikas oder in die Berge. Er ist es, der die andere Seite der Wirklichkeit erkundet, der über den Zaun hinüberschaut, um nachzusehen, was auf der anderen Seite geschieht. Anlass für seine Reise kann die Krankheit eines einzelnen Mitgliedes seines Stammes sein, aber auch eine Bedrohung für die Gemeinschaft. Schlimm ist es für die ganze Gemeinschaft, wenn der Schamane selbst schwerkrank wird oder gar stirbt. Dann droht Unheil, die Welt und ihre Harmonie geraten ins Wanken. Keiner ist da, der vermitteln kann. Ist der alte Schamane gestorben, besteht die Bedrohung, bis ein neuer in das Amt berufen wird. Da er aber nicht von seinesgleichen gewählt, sondern von den Geistern gerufen wird, kann niemand sagen, wann es wieder einen Schamanen geben wird.


Eine gefährliche Zeit also für das ganze Volk. Manchmal wird die Seele des Verstorbenen zum Geistführer des neuen Schamanen. Er beruft ihn, er stellt ihn auf die Probe und er wird ihm helfen, wenn er die Einweihung annimmt. Genauso wie der Schamane selbst nicht vor Tod und Krankheit gefeit ist, so ist er auch nicht immer in der Lage, einen Kranken zu heilen oder ein Unheil abzuwenden. Verraten ihm die geistigen Helfer oft, was getan werden muss, um einem Kranken zu helfen, so sagen sie ihm aber auch, wenn dieser nicht gesund werden kann. Zuweilen kommt es zwischen Schamanen zu Kämpfen, manchmal mit tödlichem Ausgang.


Nicht immer ist das Mittel gegen die Krankheit eine Medizin, eine Droge, manchmal hilft es auch, soziales Fehlverhalten zu korrigieren, manchmal muss ein Fluch abgewehrt werden, dann wieder muss ein launischer Geist besänftigt werden. So ist der Schamane Seelsorger, Sozialarbeiter, Priester und Heiler in einem. Aber er ist niemals nur der gute Mensch. Ethische Werte wie unser christlich geprägtes Gut und Böser gibt es für den Schamanen nicht. Seine Reaktionen und seine Handlungen von der Geisterwelt diktiert sind niemals vorhersehbar. Als einer, der mit Geistern Umgang hat, ist er unheimlich. Er wird zwar wegen seines Wissens verehrt, aber auch wegen seiner dunklen Macht misstrauisch beobachtet. 


Moderne Schamanen 

Auch in unserem Kulturkreis fühlen sich wieder mehr und mehr Menschen berufen, den schamanistischen Weg zu gehen. Unsere Kultur, die weitgehend den Bezug zur Seele der Natur verloren hat, hat den modernen Menschen von seinen eigenen Wurzeln abgeschnitten. Die Dinge draußen Steine und Pflanzen, ja auch Tiere haben keine Seele. Sie scheinen nur da zu sein, um vom Menschen benutzt zu werden. Hier hat das christliche Macht euch die Erde untertan zu einem einseitig hedonistischen Ausbeutungsverhalten geführt, mit dem der Zivilisationsmensch Gefahr läuft, seine eigene Seele zu verlieren.


Moderne Schamanen suchen den Heilsweg aus dieser Misere in der Rückwendung zu den magisch mythischen Auffassungen. Sie fühlen sich berufen, diesen Weg zu gehen und bieten ihre Hilfe jenen an, die sich in unserem modernen, oft seelenlosen Gesundheitssystem nicht mehr aufgehoben fühlen. Sie gehen den Weg zurück zur Natur, zur Seele der Dinge, sie streifen durch die Wälder, berauschen sich an Kräuterdrogen, vollziehen Mondrituale und versuchen, sich das alte Wissen anzueignen. Sie haben sich meist aus unserer christlichen Religionsgemeinschaft verabschiedet, um den Naturgottheiten oder der Göttin zu huldigen. Wie früher auch sind es nicht nur Männer es gab und gibt weibliche Schamanen. Kommt ein Hilfesuchender zu ihnen, befragen sie die Geister, befragen Orakel oder versuchen ihr Glück mit Kräutermedizin, Schutzritualen oder Beschwörungen. Oft raten die dem Hilfesuchenden, sich ebenfalls wieder mehr seinen archaisch magischen Wurzeln anzunähern.


Je weiter sie sich von unserer christlichen Kultur entfernen, umso attraktiver scheinen sie wiederum zu werden für alle, die in dieser Kultur selbst hilflos und ratlos geworden sind. Im guten Sinne kann eine solche Wiederanbindung an alte mythisch magische Weltbilder eine Wiederannabelung an den Fluss des Lebens bedeuten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der alte Schamane tief in seiner eigenen Gemeinschaft verwurzelt war und nur unter großen Gefahren den Blick über den Zaun, den Weg in die Geisterwelt wagen konnte. Er stand nie in völliger Opposition zu der Kultur, aus der er kam, so wie es bei den modernen Schamanen leider oft der Fall ist. Sie haben häufig ihre eigenen Wurzeln in der Kultur, aus der sie herkommen, verloren. Sie sind ziellose Wanderer, und wer sich ihnen anvertraut, muss damit rechnen, ebenfalls aus der Gemeinschaft herauszufallen. Ein starkes Individuum wird dieser Gefahr nicht anheimfallen.


Es wird von moderner schamanistischer Seite oft behauptet, Kirche und Staat hätten an der Ausrottung der Schamanen maßgeblichen Anteil gehabt. Auch sei das alte Wissen von der herrschenden Macht unterdrückt worden. Dies scheint ein Trugschluss zu sein, denn ein schamanistisches Wissen hat es nicht gegeben. Es wurde immer jeweils von dem einzelnen Schamanen neu erworben, es wurde ihm von seinen Geisterhelfern übermittelt. Zwar ist es auch in unserer Kultur für Einzelne immer wieder einmal nötig, die andere Seite der Wirklichkeit zu schauen, aber das geschieht nicht auf den Ruf eines Schamanen hin. Wir können nicht das christliche Gedankengut, das wir überall um uns herum repräsentiert finden, dass wir quasi mit der Muttermilch eingesogen haben, beiseite werfen. Wir können viel von Schamamen lernen, sofern sie ernsthafte Sucher sind. Wenn wir aber an ernsthaften Erkrankungen leiden, sollten wir lieber den Weg zu einem Arzt oder Heilpraktiker unseres Vertrauens einschlagen. 


Träume sind mehr als nur zufällige Bilder im Schlaf. Sie sind Botschaften unseres Unterbewusstseins
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Träume können wertvolle Einblicke in unser Innerstes bieten. Sie helfen uns, emotionale Blockaden zu lösen, kreative Ideen zu entwickeln oder versteckte Sorgen ans Licht zu bringen. Wer sich mit seinen Träumen beschäftigt, kann oft tiefere Erkenntnisse über sich selbst gewinnen.
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Arzt und Seher zugleich „Nostradamus“
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„Nostradamus“ 1555 erschien in Frankreich ein kleines Büchlein mit dem Titel „Les propheties de M. Michel Nostradamus". Es wurde rasch zu einem Bestseller und erregte die Aufmerksamkeit der höchsten Kreise. Die Königin von Frankreich, Katharina de Medici, las das Büchlein und forderte den Verfasser daraufhin auf, nach Paris zu kommen. Sie glaubte, dass einige Prophezeiungen die Königsfamilie betrafen, und wollte von ihm dazu Genaueres hören. In der Praxis hieß das, er sollte nachweisen, dass er kein Attentat auf den König plante. Wie schwer das war, davon konnte bereits ein italienischer Astrologe in Paris ein Liedlein singen. Er war gefoltert worden, als er den frühen Tod Heinrichs Il. vorhergesagt hatte. Der Autor dieses Büchleins war ein Landarzt in Salon in der Provence, ein gewisser Michel de Notredame, lateinisch Nostradamus. Was uns heute stark verwirrt, machte der Königin offenbar wenig aus: Die Sprache der Centurien ist fast völlig unverständlich. Nicht nur dass sie Französisch mit griechischen, lateinischen, italienischen und provencalischen Brocken vermischt, nein, der Text selbst ergibt keinen klaren Sinn. Die Sprache ist reich an Bildern, die entschlüsselt werden wollen. Doch zumindest Katharina von Medici war dazu offenbar in der Lage. „Der junge Löwe wird den alten besiegen im einzigartigen Kampf auf einem Kriegsfeld. Seine Augen, in goldenem Käfig, werden bersten. Zwei Wunden eine, zum Sterben eines grausamen Todes. (Centurie, 35. Vierzeiler) Hieraus las sie eine Bedrohung für das Leben ihres Gatten ab. Und sie sollte recht behalten. 1559 veranstaltete Heinrich II. anlässlich der Unterzeichnung eines Friedensvertrags mit Spanien und der Verlobung seiner Tochter Elisabeth mit dem spanischen König ein Turnier. Sein eigenes Wappentier war der Löwe. Und tatsächlich wurde er durch eine geborstene Lanze tödlich verwundet. Ein Lanzensplitter drang unter sein goldenes Visier und durchbohrte ein Auge. Sein von ihm selbst ausgewählter Gegner, der Hauptmann seiner Leibgarde, hatte ebenfalls als Wappentier den Löwen. Seit 1559 erlebten die Prophezeiungen von Nostradamus immer neue Deutungen. Jede Zeit entdeckte neuen verborgenen Sinn hinter dem, was er in seinen Texten vorhergesagt hatte - doch nicht selten erst im Nachhinein. Im Zweiten Weltkrieg wurden Vierzeiler von Nostradamus sogar als Propagandamittel eingesetzt: Mit Interpretationen gespickt, die die Kriegsniederlage des Empfängers verkündeten, wurden sie hinter den feindlichen Linien abgeworfen – von den Deutschen in Frankreich, von den Engländern in Deutschland. Nostradamus ist für uns nicht nur wegen seiner Prophezeiungen interessant. Er hinterließ einige Aussagen über die Kunst des Sehens, wie er sie praktizierte. Die erste Centurie beginnt mit den folgenden Vierzeilern: „Sitzend des Nachts bei geheimen Studien, allein; ruhend auf dem Sitz von Erz? Winzige Flamme, aus der Einsamkeit hervorkommend, bringt hervor, was nicht vergeblich ist zu glauben. Die Rute in der Hand, in die Mitte der Gabel gelegt, von der Welle benetzt auch den Rand und den Fuß, Angst und Stimme erzittern durch die Griffe, göttlicher Glanz, der Wahrsager nahe sich setzt." Hier klingen einige Elemente an, die wir bereits kennen: Die Verwendung von Wasser, das mit einer Rute geschlagen wird, kennen wir vom Orakel in Didyma. Der Sitz von Erz? Könnte eine Anspielung auf das Orakel in Delphi sein. Die Flamme, aus der Einsamkeit kommend, ist eine sinnvolle Metapher für die Erkenntnis, die innere Ruhe und Einsamkeit im besten Sinne voraussetzt. Wir verwenden dieses Bild, wenn wir sagen, uns geht ein Licht auf. Meist ist das nicht im hektischen Trubel des Tages der Fall, sondern wenn man sich in beschäftigt. Ruhe und ohne Störung durch andere mit einer Frage beschäftigt. Nostradamus' Erleuchtung ist für ihn eine Gabe Gottes.
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